Über 200 Berufsjägerinnen und Berufsjäger aus allen 16 Bundesländern trafen sich am 13. und 14. März 2025 in Erfurt zur diesjährigen Bundesjahrestagung des BDB – der wichtigsten Veranstaltung im Verbandsjahr. Zwei intensive Tage voller Fachdiskussionen, Beschlüsse und kollegialen Austauschs.
Ein starkes Signal aus Erfurt
Das Dorint Hotel am Erfurter Dom bildete den Rahmen für eine Tagung, die in ihrer Dichte und Qualität ihresgleichen sucht. Bereits am Vorabend fanden sich Delegierte aus den Landesverbänden zum informellen Vorabendtreffen ein – eine Tradition, die den menschlichen Austausch vor den formalen Sitzungen betont.
Bundesvorsitzender Klaus-Peter Reimann eröffnete die Tagung mit einer klaren Botschaft: „Die professionelle Jagd steht vor einem Scheideweg." Die zunehmende politische Regulierung auf Bundesebene, neue Anforderungen an den Naturschutz und der demografische Wandel im Berufsstand erfordern eine geschlossene und strategisch handelnde Berufsvertretung.
Zahlen der Jahrestagung
Schwerpunkt: Bundesjagdgesetz-Reform
Den breitesten Raum nahm die geplante Reform des Bundesjagdgesetzes ein. Rechtsreferent Dr. Markus Brandt präsentierte eine detaillierte Analyse der vorliegenden Reformentwürfe und deren mögliche Auswirkungen auf den Berufsalltag der Berufsjäger.
Besonders kontrovers diskutiert wurden die geplanten Einschränkungen bei der Fallenjagd sowie neue Vorschriften zur Dokumentationspflicht. Die Delegierten verabschiedeten nach intensiver Debatte eine gemeinsame Stellungnahme, die dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zugeleitet wird.
„Wir lassen nicht zu, dass Bürokratie und politische Symbolik die Handlungsfähigkeit unserer Mitglieder im Revier untergräbt."
Klaus-Peter Reimann, Bundesvorsitzender BDBNeue Ausbildungsordnung ab Herbst 2025
Ein weiterer zentraler Tagesordnungspunkt war die modernisierte Ausbildungsordnung für den Beruf Berufsjäger/in, die zum 1. September 2025 in Kraft tritt. Ausbildungsreferentin Sandra Hoffmann stellte die wichtigsten Änderungen vor:
- Stärkung der Naturschutzkompetenz als eigenständiges Lernfeld
- Einführung digitaler Revierplanung und GPS-gestützter Wilderfassung
- Erweiterung der Prüfungsanforderungen im Bereich Wildbrethygiene
- Neue Wahlqualifikationen: Jagdtourismus und Umweltbildung
Die Tagung beschloss einstimmig, alle Ausbildungsbetriebe bis Ende April 2025 über die Neuerungen zu informieren und eine bundesweite Informationsreihe für Ausbildungsverantwortliche zu organisieren.
Gefasste Beschlüsse im Überblick
Beschlüsse der Jahrestagung 2025
- Stellungnahme zur Bundesjagdgesetz-Reform an BMEL übermitteln
- Informationskampagne zur neuen Ausbildungsordnung ab April 2025 starten
- Bundesweites Mentoring-Programm für Berufseinsteiger einrichten
- Kooperation mit dem Deutschen Jagdverband zu Wildmonitoringdaten intensivieren
- Digitalstrategie für den Verband bis Q3 2025 erarbeiten
- Fachmagazin „Der Berufsjäger" auf digitale Zusatzausgabe erweitern
- Jährliches Preisgeld für die beste Abschlussarbeit im Berufsjäger-Nachwuchs ausloben
- Tarifempfehlungen für Berufsjäger aktualisieren und veröffentlichen
- Pilotprojekt Wildbrücken-Monitoring in drei Landesverbänden durchführen
- Neue Partnerverträge mit Jagdausrüstern bis Jahresende abschließen
- Satzungsänderung: Erweiterung des Vorstands um Jugendbeauftragten
Ausblick: Was kommt 2025 auf den BDB zu?
Neben den operativen Beschlüssen diskutierte die Tagung auch strategische Perspektiven. In einer Podiumsrunde mit Vertretern aus Forstpraxis, Wissenschaft und Politik wurden vier zentrale Herausforderungen für die nächsten Jahre identifiziert:
- Klimawandel und Wildbestandsmanagement – Veränderte Wanderrouten und neue Wildkrankheiten erfordern adaptive Managementkonzepte.
- Nachwuchsgewinnung – Der Berufsstand muss jüngere Zielgruppen besser erreichen, auch über soziale Medien.
- Gesellschaftliche Akzeptanz – Die Kommunikationsarbeit des Verbands muss professionalisiert werden.
- Digitalisierung der Revierarbeit – Von der Drohnenüberwachung bis zur App-gestützten Wilderfassung: Die Technologie verändert den Alltag der Berufsjäger grundlegend.
„Wer heute die Ausbildung prägt, gestaltet die Jagd von morgen. Diese Verantwortung nehmen wir sehr ernst."
Sandra Hoffmann, Ausbildungsreferentin BDBDank und Anerkennung
Besonderer Applaus galt dem Thüringer Landesverband BDB für die exzellente Organisation der Tagung in Erfurt. Die Rückmeldungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren durchweg positiv – sowohl was das inhaltliche Programm als auch den herzlichen Empfang in der Landeshauptstadt Thüringens betraf.
Die nächste Bundesjahrestagung findet im Frühjahr 2026 statt. Ort und Datum werden rechtzeitig über die Verbandskanäle bekanntgegeben.
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